Dienstag, 18. Januar 2011

just read: Callisto & Niederland

Hallo neues Jahr! Da es  mir im vergangenen wider erwarten gelungen ist, den Vorsatz einzuhalten, wirklich eine ganze Menge Bücher zu lesen, folgt heuer die Absicht selbiges wieder zu tun UND das ganze ein wenig zu dokumentieren.

Zwei hab ich schon, bzw. eines, denn "Callisto" gehört eigentlich noch nach 2010. Hab es "zwischendenjahren" in Prag gelesen und es ist noch ganz frisch im Hirn. Zudem passt es thematisch ganz fein zu "Niederland" und man soll doch - bitteschön - zusammenführen, was zusammen gehört.

Die USA nach 911 sind Spielort- und -zeit beider Romane, die das neue amerikanische Trauma auf unterschiedlichste Art und Weise aufgreifen.



"Callisto" (in der deutschen Fassung mit dem unnötigen Zusatz "oder Die Kunst des Rasenmähens" versehen; ja ja, wir haben die Anspielung auf Robert M. Pirsig verstanden - hat das eigentlich je jemand durchgehalten, das Buch mit dem Motorrad?), also Callisto geht als nahezu klassischer Schelmenroman durch. Schelm in diesem Falle ist Odell Deefus, der als einfältig gestrickter Möchtegern-Rekrut, es einfach nicht schafft Soldat zu werden, sondern, weil in der Hölle des Kleinstädtchens Callisto gefangen, unter Terrorverdacht gerät. So weit so unterhaltsam: man erfreut sich an gängigen USA-Klischees (Waffen, Religion, Patriotismus) und lernt, dass der doofe Deefus gar nicht so doof ist. Trotzdem wird ihm ganz übel mitgespielt, so übel, dass er schließlich in einem bekannten US-Ferienlager in der Karibik endet, wo an ihm all das angewendet wird, was G.W. Bush zur Verteidigung der Freiheit als gangbare Verhörmethoden definiert hat. Dann wird das Buch ziemlich bitter, starker Tobak, sagt man. Verraten werden darf, dass zum Schluss alles gut wird und Odell Deefus befreit wird - von der Mächten hinter der Macht. Wer das nun sein soll, sage ich nicht...

A very good read indeed, sehr unterhaltsam und gegen Ende richtig fesselnd. Schon nach den ersten paar Seiten wird man eingesaugt in das von uns Europäern so hassgeliebte, grausig-dumme Kleinstadt-Amerika und dann läuft's weiter wie im Film.Warum Manche Rezensenten bei Odeell Deefus Parallelen zu Ignatius O'Reilly, den größten aller Schelme in der amerikanischen Literatur, ziehen müssen verschließt sich mir gänzlich: Odell ist ein Opfer der Terrorangst, Igantius ist Terror!

Der Held in "Niederland" von Joseph O'Neill könnte unterschiedlicher gar nicht sein zu dem aufrechten Redneck Odell Deefus und doch haben sie etwas einiges gemein: Hans van den Broek ist Holländer, Bänker. Er lebt in einer Art Schockzustand im New Yorker Chelsea Hotel, getrennt von seiner englischen Frau, die nach 911 nicht mehr in den USA leben kann - erst wegen akuter Terrorangst dann wegen US-Kriegstreiberei. So wie Held in "Callisto" bleibt er die ganze Zeit völlig passiv und reagiert lediglich, wenn überhaupt. Lässt sich treiben, traumatisiert von 911 und Trennungschock. Erst als er wieder Cricket zu spielen beginnt und er den aus Trinidad stammenden Chuck Ramkissoon kennenlernt, scheint sich Hans' Lebensstarre zu lösen.

Überhaupt Cricket und vor allem Cricket in den USA. Ein Spiel, bei dem die Regeln "als kompliziert bis unverständlich gelten" (Wikipedia), das in den USA fast ausschließlich von Einwanderern (West-Indies, Pakistan, Indien, Sri Lanka....) und in dem es offizielle Mittags- und Teepausen gibt.Das mag man natürlich als männlicher Leser: Wenn die geschundene Seele an so was Bescheuertem genest: Die Cricketeers sprechen dabei natürlich nie über ihre Probleme, Sorgen und Nöte. Crickett scheint eine der kompliziertesten Formen des Eskapismus und so der Traum des umtriebigen Chuck Ramkissoon, die USA zur Chricket-Nation zu machen zum Scheitern verurteilt.

Es passiert nicht wirklich viel in diesem Buch und der Held ist blass und eigentlich kein Charakter mit dem man sich spontan identifiziert und trotzdem schafft es Joseph O'Neill mittels von Rückblenden und Vorwegnahmen eine Struktur zu erschaffen, die eine enorme Sogwirkung entfacht. Das ist natürlich auch der Figur Chuck Ramkissoon geschuldet: So einen kennt jeder: Einer der alles weiß und damit nicht hinterm Berg hält, ausgestattet mit dieser Aura des Unverwundbaren, mit dieser Art von Selbstbewusstsein, die einem schnell auf den Geist geht, der man sich aber so lange nicht entziehen kann, bis sie es selbst zulassen. Oder umgebracht werden, wie Chuck Ramkissoon.

Ach  ja: Am Cover kann man sehen, wie sehr sich der Gestalter mit dem Buch auseinandergesetzt hat, es gibt zwar eine Szene, in der Protagonist Hans Schlittschuh fährt, aber es geht um Cricket, goddammit! Der Klappentext ist auch nicht besser.

Kommentare:

Herr Gilke hat gesagt…

Ah, langsam durchschau' ich Dein System: Jetzt kommt mal wieder ganz lange nix. Gell?

Herr Gilke hat gesagt…

Q.E.D.

Herr Gilke hat gesagt…

Sic.

Herr Gilke hat gesagt…

Word.

Herr Gilke hat gesagt…

Coole Kommentare.

Herr Gilke hat gesagt…

@ Herr Gilke: Ja.

Herr Gilke hat gesagt…

yeah: 2012!

Herr Gilke hat gesagt…

Jakob? Magst Du auch mal was schreiben?

Jakob Werth hat gesagt…

Ich so: "???"

Rick Rubin hat gesagt…

Could you please contact me, Mr. Ernesto?

Herr Gilke hat gesagt…

Mönsch, DER RUBIN!!! Gibt's was zu berichten?!?!